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Keller - Pro und Contra

Keller bauen und Kosten

Franca Wacker
Kommentare: 2

Diese Frage ist, wie viele Planungsfragen, nicht so ohne weiteres zu beantworten und von vielen individuellen Faktoren abhängig.

Oft werden die Diskussionen über das Für und Wider eines Kellers an den Kosten festgemacht. Diese können jedoch im Einzelfall sehr stark variieren. Schauen wir uns deshalb an, welche Faktoren die (Mehr-)Kosten für einen Keller entscheidend beeinflussen können.

Grundsätzlich benötigt jedes Haus erst einmal ein solides Fundament und eine Bodenplatte. Dafür ist es notwendig, den Baugrund zu betrachten. Eine verlässliche Aussage zur Tragfähigkeit des Bodens, der Versickerungsfähigkeit sowie zu der Gefahr von Grund- oder Schichtenwasser und stauender Nässe, gibt ein Bodengutachten vom Baugrundstück.

Die Bodenbeschaffenheit ist also der erste wesentliche Faktor, der die Kosten und damit ein Pro und Contra für einen Keller beeinflusst:

Welche Gründungsart ist notwendig?

Reichen Streifenfundamente unter der Bodenplatte oder sind Spezialgründungen erforderlich, wie eine biegesteife Platte oder gar Pfahlgründungen?

Welche Bodenuntergründe lieg en vor (Fels, Sand, Schutt/Abbruchmaterialien)?

Kann der Boden leicht abgetragen werden oder muss gar gesprengt werden? Muss die Baugrube speziell gesichert werden gegen Nachrutschen, ist gar ein Verbau zur Baugrubensicherung notwendig? In diesem Fall wäre eine Bodenplatte i.d.R. erheblich günstiger als ein Keller.

Ist Grundwasser/Schichtwasser vorhanden?

Ist der zu erwartende Wasserspiegel ausreichend tief unter meiner Kellersohle und auch mit einem zeitweiligen Anstieg nicht zu rechnen oder ist mein Keller stauendem, drückendem Wasser ausgesetzt und ich brauche einen teuren wasserundurchlässigen bzw. wasserdichten Keller? Wenn schwierige „Wasserverhältnisse“ zu erwarten sind, wird der Keller erheblich teurer werden, als ein Keller in einem Gebiet, in dem nicht mit derartigem Wasseranfall zu rechnen ist.

Ein weitere wichtiger Faktor für die Vergleichbarkeit der Kosten für eine Bodenplatte oder einen Keller ist die Topografie des Grundstückes.

  • Bei starker Hanglage auf einen Keller zu verzichten, kann teuer werden. Wird hier nur mit Bodenplatte gebaut, ist viel Material zur Unterfütterung notwendig, dieses muss entsprechend verdichtet werden, um spätere Setzungen zu vermeiden. Die Fundamente der Bodenplatte und die Frostschürze müssen i.d.R. sehr tief sein, um unter die Frostgrenze zu gelangen bzw. in gewachsenem Boden zu gründen.

Die vorgenannten „äußeren“ Faktoren bedenken/untersuchen Sie idealer Weise noch vor Kauf des Grundstückes!

Folgende weitere Aspekte beeinflussen das Pro und Contra für einen Keller und nicht zuletzt die Baukosten

Tradition

Tradition beeinflusst wesentlich das Bedürfnis der Bauherren, mit oder ohne Keller zu bauen. Sind Sie aufgewachsen ohne Keller und haben sich schon immer gefragt, wofür der große „vergrabene“ Raum nützlich sein soll oder baut man in Ihrer Region in der Regel ohne Keller, dann werden Sie vermutlich ganz entspannt auch weiterhin ohne Keller auskommen. “Baut man“ dagegen in Ihrer Region i.d.R. immer einen Keller, kann ein (möglichst ausgebauter) Keller schnell zu einem Statussymbol werden.

Sammlereigenschaften

Gehören Sie zu den Menschen, die sich leicht von nicht benötigten oder nicht funktionierenden Dingen trennen können, dann brauchen Sie keinen großen Stauraum.

Gehören Sie zu den Menschen, die den Dingen einen hohen Erinnerungswert beimessen oder Dinge später immer wieder neu nutzen möchten, dann brauchen Sie entsprechend großen Stauraum. Überlegen Sie sich, wo Sie in Ihrem neuen Haus diese Dinge aufbewahren könnten.

Zusätzlicher Raumbedarf

Bei folgendem Raumbedarf, zusätzlich zu oben angesprochenen Stauraum, ist ein Keller empfehlenswert:

  • Werk-, Hobby- oder Partyraum
  • großzügiger Hauswirtschaftsraum
  • Vorratskeller, ggf. auch mit gestampften Boden zur natürlichen Lagerung
  • Wellnessbereich, Sauna
  • Sportbereich (Tischtennis, Billard, Fitness etc.)
  • Weinsammlung
  • zusätzlicher Wohnraum wie Einliegerwohnung/Gästebereich

Achtung: bei Aufenthaltsräumen im Keller gelten baurechtliche Bestimmungen bezüglich der Belichtungsfläche und Raumhöhe. Dieses sowie die notwendigen Maßnahmen für den Ausbau eines Kellers zu Wohnzwecken wie Heizung, Lüftung, Dämmung etc. können die Kosten für einen Keller in die Höhe treiben. Hier ist ggf. abzuwägen, ob ein vergrößertes Haus/EG oder einer unserer Flying Spaces im Garten diesen Bedarf ebenfalls decken kann.

Haustechnik

Moderne Heizungsanlagen haben oft einen erhöhten Platzbedarf. Wird ohne Keller gebaut, liegt der Technikraum (Hausanschluss, Heizung, Lüftung, Warmwasserbereitung, Elektroverteilung etc.) in der Regel im EG. Neben der Einschränkung an Wohnfläche sind auch die Geräuschentwicklung sowie ggf. notwendige (optisch auffallende) Öffnungen in der Fassade zu bedenken.

Zusammenfassung Keller

  • Die Kosten für einen Keller sollte man dem Raumgewinn gegenüberstellen – oft bekommt man (je nach äußeren Bedingungen – s.o.) für ca. 10 Prozent Mehrkosten einen Raumgewinn von 30 bis 40 Prozent.
  • Die oft propagierte Teilunterkellerung spart in der Regel keine Kosten. Um spätere Setzungsschäden zu vermeiden, sind hier aufwendige Maßnahmen zum Abfangen der Bodenplatte unter dem Rest des Hauses und abgetreppte Fundamente nötig. Durch diesen Mehraufwand ist die Kostenersparnisse im Vergleich zur Nutzflächenverringerung oft nur gering.
  • Ein Keller ist nicht nachrüstbar. Deshalb gilt, sich vorher genau Gedanken zu machen wie der Platzbedarf sich in der Zukunft entwickeln kann. Die Kosten für Unterstellmöglichkeiten, die nachträglich in den Garten gestellt werden, für eine vergrößerte Garage oder gar einen späteren Anbau an das Haus, können die Kosten für die Unterkellerung beim Bau des Hauses möglicherweise aufwiegen!

Franca Wacker

Architektin

2 KOMMENTARE
von Finke
26. Januar 2015, 17:17
Guter Beitrag. Keine Frage - der Kellerbau ist von vielen Faktoren abhängig. Wichtig ist gerade der Punkt, dass eine Teilunterkellerung oder ein Blindkeller keinen großen Kostenunterschied zu einem Vollkeller haben. Aber - letzendlich ist alles eine Kostenfrage. Und wer günstig bauen will, verzichtet eher. Es sollte jedoch bewusst sein, daß die Kosten pro Quadratmeter eines Kellers deutlich günstiger sind als die Kosten pro Quadratmeter einer beheizten Wohnfläche.
MfG Josef Finke
von W. Müller
28. Mai 2013, 12:45
Guter Artikel!

10% vom Hauswert passt auch, das war zumindest bei uns so der Fall (normaler Standardkeller, ca. 70qm Fläche). Bei Ausbau für Wohnzwecke inkl. Heizung, besserer Dämmung, mehr Deckenhöhe, ... gehts wohl eher in Richtung 15...20%.

Für uns war ein Keller aufgrund des eher kleineren Grundstückes immer gesetzt und wir sind jetzt im Nachhinein sehr froh, uns dafür entschieden zu haben. Saisonales Lager, Werkstatt und Technik sind jetzt gut verräumt. Nicht zu vergessen Schuhe, kühl gelagerte Getränke- Lebensmittel, Autozubehör, Berufszeug, ... und im Hochsommer hat man zur Not einen kühlen Rückzugsraum. Manche nutzen ihn auch als kostenlose Klimaanlage (Kellertüre auf, Kellerfenster auf, WGT auf Sommer Abzug stellen) - das könnte allerdings zu feuchten Kellerwänden führen...

Gruß,
W. Müller

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