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„Atmungsaktive Wände“ – ein Ersatz für Lüftungsanlagen?

Hausbau Blog 2020

Detlef Buehmann
Kategorie: Konstruktion
Kommentare: 8

Das Gerücht von atmungsaktiven Wänden hält sich hartnäckig. Weil atmungsaktive Wände positiv wirken und Natürlichkeit assoziieren, wird diese Behauptung gerne verwendet. „Mit einer Dampfbremse in der Wand lasse sich doch kein angenehmes Raumklima erzeugen. Eine Wand müsse doch atmen.

Nur Häuser mit einer Plastikfolie in der Wand benötigen eine Lüftungsanlage.“ …So öder ähnlich lauten immer wieder geäußerte Meinungen oder gar unqualifizierte Veröffentlichungen.

Wissenschaftlich ist  es längst belegt, dass es atmungsaktive Wände nicht gibt, ganz zu schweigen einen Luftaustausch durch Wände, der gar das Lüften erübrigt. Ausgenommen, es gäbe viele undichte Leckagen in den Wänden, die zu  einem ungewollten Luftaustausch und damit zu unkontrollierten Wärmeverlusten führen würden. Eine solche Bauweise wäre jedoch mit erheblichen  Mängeln behaftet und zudem wäre sie durch den Gesetzgeber verboten. (Mehr zum „Märchen von atmenden Wänden“ lesen Sie auch im Internet, z. B. bei Wikipedia)

Die vermeintliche atmungsaktive Wand ist in Wirklichkeit eine leicht dampfdiffusionsoffene Wand. Das bedeutet, dass kleine Mengen Feuchtigkeit in dampfförmigem Zustand durch die Wand hindurchwandern (diffundieren) können. Damit wird ein möglicher Feuchtigkeitsausfall innerhalb der Wandkonstruktion toleriert, was jedoch zu negativen Folgen für die Funktion der Wärmedämmung und Dauerhaftigkeit der Wandkonstruktion führen kann.

Im Interesse der Lebensdauer und Werthaltigkeit von Häusern setzen wir auf die sicherste Variante und schützen die Konstruktion und Wärmedämmung auf der Innenseite der Wand durch eine Dampfbremse, die verhindert, dass Wasserdampf, also Feuchtigkeit in die Wand eindringen kann. Weiterhin verwenden wir auf der äußeren Seite der Wand zusätzlich eine diffusionsoffene Membran, welche die Winddichtheit unserer Bauten auf Dauer garantiert. Sowohl die Dampfbremse als auch die diffusionsoffene Membran machen im Zusammenspiel mit starker Wärmedämmung unsere Wände, wie alle übrigen Bauteile auch, dauerhaft zu perfekten Energiesparern.

Wir führen gerne die Diskussion über Vorurteile und nehmen bewusst Mehraufwendungen in der Herstellung unserer Häuser in Kauf. Schließlich geht es um die beste Qualität im Interesse der Nachhaltigkeit und Wertentwicklung Ihres neuen Zuhauses.

Eine eventuelle Feuchteaufnahme und –abgabe über Wandflächen spielt sich übrigens nur an den Wandoberflächen ab. Die Auskleidung der Räume mit Gipsbauplatten leistet hier den entscheidenden Beitrag zur Feuchtepufferung.

Eine sogenannte dampfdiffusionsoffene Wand kann keinesfalls den notwendigen Luftaustausch eines Gebäudes übernehmen. Der Gesetzgeber schreibt deshalb vor, dass für eine optimale Lufthygiene das Luftvolumen eines Raumes alle zwei Stunden erneuert werden soll. Dieses ist durch Fensterlüftung kaum zu gewährleisten, zumal auch nur mit hohen Wärmeverlusten.  Mit einer Lüftungsanlage, wie Sie seit 28 Jahren im SchwörerHaus eingesetzt wird, wird die Luft kontrolliert, d.h. alle zwei Stunden komplett erneuert, wobei die wertvolle Wärme der Abluft bis zu 90 % für die Erwärmung der frischen Zuluft zurückgewonnen wird. Wohlbefinden und Energiesparen ergänzen sich so im SchwörerHaus auf ideale Weise.

Jeder von Ihnen, der sich mit dem Bau eines Hauses beschäftigt, hat viele Fragen, daher freue ich mich auf einen regen Dialog mit Ihnen.

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8 KOMMENTARE
Manfred Hölz von Manfred Hölz
20. November 2020, 17:49
Sehr geehrter Herr Kunz,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Herr Bühmann ist zwischenzeitlich im wohlverdienten Ruhestand, weshalb ich gerne Ihre Anfrage beantworten möchte.

Seit vielen Jahren weiß man, dass eine Feuchteregulierung im Wohnraum lediglich über ca. 1cm der Wandoberfläche stattfindet. Dies ist in der Regel die Putzoberfläche aus Gips. Im Holzbau die Gipsbautafel. Selbst ein Ziegelstein, für welchen die Ziegelindustrie dieselben feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften zugeschreibt, wird mit der Luftfeuchte des Raumes nicht konfrontiert. Übertragen auf die Holzhausbauweise ist das genau dasselbe. Das Holz bekommt aus der Raumluft keine Feuchte ab.

Ein Raumluft-Feuchteausgleich findet in der Gipsebene statt!

Die Lüftungsanlage hat den Nebeneffekt, auch überhöhte Luftfeuchte abzutransportieren, was einer Schimmelbildung entgegen wirkt. ABER: die Lüftungsanlage sorgt für frische Luft und hat als weiteren großen Vorteil einen Wärmetauscher, welcher z.B. im Winter die frische, kühle Außenluft BERÜHRUNGSFREI an der warmen Abluft vorbei führt und so nachgewiesen über 90% der Wärme aus der Abluft an die Frischluft übergibt. Damit müssen Sie viel weniger Wärme zuführen, um die Frischluft wieder auf dasselbe Niveau zu bringen und sparen sehr viel Energie.

Die Fensterlüftung lässt die mühevoll erwärmte Luft 1:1 aus dem Fenster entweichen, es kommt kalte Luft rein, welche wieder zu 100% erwärmt werden muss. Sie hören ja täglich in den Nachrichten, dass in den Schulen infolge Corona mehrmals stündlich gelüftet werden muss und die Kinder immer im Kalten sitzen. Denn das Lüftungsintervall ist so kurz, dass die Luft kaum erwärmt, bereits wieder zum Fenster rausgelassen wird.

Sie sehen, das sind völlig andere Themen.

Was ich nicht hoffe ist, dass Ihre beratende Person das Problem der Feuchtigkeitskondensation innerhalb der Wand infolge eines sog. diffusionsoffenen Wandaufbaus meinte und versucht, den Kondensatausfall (WASSER) in der Wand schön zu reden und deshalb eine Vollholzkonstruktion für erforderlich hält, um dieses Wasser aufnehmen zu können. Dieses Kondensatwasser fällt bei allen Wänden ohne Dampfbremse an und kann bei richtiger Konstruktion im Sommer wieder austrocknen. Egal, ob Holzwand oder Mauerwerk. Jedoch wird bei feucht werdender Wand die Dämmwirkung schlechter.

Wir bauen seit je her mit einer Dampfbremse, sodass gar kein Kondensat in der Wand anfallen kann.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Frage beantworten und den Sachverhalt o.g. Themen näher bringen.

Mit besten Grüßen
Manfred Hölz
Avatar von Frank Kunz
14. November 2020, 19:04
Hallo Herr Buehmann,

uns wurde ein Vollholzhaus (keine Ständerbauweise) nahegelegt, da dies die beste Feuchtigkeitsregulierung habe. Damit könne am besten auf einen Lüftungsanlage verzichtet werden. Ehrlich gesagt beeindruckt mich so ein massives Holzhaus schon, komme beim Überlegen aber immer wieder auf die Entscheidung zurück, doch mit Schwörer zu bauen.
Natürlich wird jeder sein eigenes Konzept als das Beste darstellen, aber vielleicht können Sie mich unabhängig davon wirklich überzeugen.

Grüße
Kunz
Manfred Hölz von Manfred Hölz
9. November 2012, 09:43
Hallo Herr Schwanke,

Gerne übernehme ich Ihre Anfrage an Herrn Bühmann. Die gewünschte Antwort lässt sich jedoch leider nicht so einfach beantworten, wie Sie es vermutlich erwartet hatten. Eine solche Membran unterliegt den Anforderungen eines Alterungstests mit zugehörigen Zug-, Druck- und sonstigen Tests nach DIN EN 13859.

Diese Norm regelt also das Prüfverfahren von z. B. Membranen und Unterspannbahnen, welche deutlich höheren Belastungen ausgesetzt sind, wie z.B. Sturm und Schlagregen als auch durch großen Temperaturunterschieden. Diese Anforderungen sind für unseren Einsatz nicht relevant, da die Membran hinter unserer Cospan-Platte liegt. Also keinerlei UV-Strahlung oder sonstigen Witterungseinflüssen ausgesetzt ist.

Nur bei Bestehen der Tests (unabhängige Tests in akkreditierten Instituten) darf ein solches Produkt in den Handel gebracht werden.

Nun kommt das ABER: kein Hersteller legt sich auf eine Zahl fest, wie beim Verfalldatum von Lebensmittel - vermutlich aus dem selben Grund, warum man die letzten Wochen so viel Wirbel darum hatte/machte - weil mit einer Jahreszahl oder einem Datum die "Lebensdauer" nicht endet. Es gibt sehr viele Einflussfaktoren, die nicht fixiert werden können. Konkret gibt unser (einer der größten Hersteller solcher Produkte) z.B. bei Dachunterdeckbahnen an: " hält ein Dachleben lang".

Wir können jedoch sagen, dass bei unseren Häusern, die aus erster Generation stammen (ca. 40-45 Jahre alt) und wegen max. Umbauwünschen komplett abgebaut und durch ein neues SchwörerHaus ersetzt wurden, die Membran noch völlig in Takt waren - Ausbauzustand (beim Zerlegen der Wände) wie neu, also wie frisch von der Rolle.
Avatar von M. Schwanke
4. November 2012, 22:26
Sehr geehrter Herr Buehmann,

Welche Lebensdauer hat die in den Aussenbauteilen verwendete Membran der Schwörer-Synergietechnik?

Mit freundlichem Gruß

M. Schwanke
Detlef Buehmann von Detlef Buehmann
11. Januar 2012, 08:27
Sehr geehrter Herr Grilz,

für Ihre Nachfrage danke ich Ihnen. In meinem Beitrag hatte ich auf Wikepedia verwiesen, weil Sie hier sehr übersichtlich und einfach eine Vielzahl von Informationen zum Thema "atmende Wand" finden. Sie können dort nachlesen, warum es sich bei der Annahme, eine Wand können atmen, um einen historischen Irrtum Pettenkofers handelte und Sie erfahren dort Details über Feuchteabfuhr, Feuchtepufferung und die Sinnhaftigkeit von Anlagen zur kontrollierten Wohnraumlüftung.

Auch die Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. gibt Auskünfte in ihrer Broschüre "Richtiges Heizen und Lüften". Dort heißt es: "Luftdichtheit ist sinnvoll. Entgegen der landläufigen Meinung "atmen" Wände nicht. Eine verputzte Wand ist Luft- und Winddicht - ist sie das nicht, liegt ein Bauschaden vor". An einer anderen Stelle wird verwiesen. "Die Qualität der Raumluft wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Auf Dauer gewährleistet nur der regelmäßige Luftaustausch das behagliche und gesunde Wohnklima".

Wenn Sie es sehr wissenschaftlich wünschen, empfehle ich Ihnen einen Besuch auf der Homepage des Fraunhofer Institutes für Bauphysik IBP. Dort finden Sie umfangreiche Beiträge zur Bauphysik im Hochbau.
Avatar von Christian Grilz
9. Januar 2012, 08:55
Sg. Herr Buehmann,

atmungsaktive Wände stellen immer wieder eine Diskussion dar. Sie sprechen davon, dass es dazu auch wissenschaftliche Belege gibt, dass dies nicht funktioniert. Da ich mich gerade mit dem Thema auseinandersetzte wäre ich über die erwähnten Belege dankbar, da ich auch eine solche "Gegenüberstellung" dieser Meinung machen muss. Daher brauche ich die Wissenschaft.

Bitte um Info,

Danke im Voraus,
Christian Grilz
Detlef Buehmann von Detlef Buehmann
12. September 2011, 16:59
Sehr geehrter Herr Hain,

für Ihre Anfrage danke ich Ihnen sehr. Die Schwörer-Synergietechnik bezieht sich auf die bautechnischen Aufwendungen bei der Herstellung aller Außenbauteile zur dauerhaften Winddichtheit des Gebäudes. Wichtigster Bestandteil ist eine sehr sorgfältig verarbeitete Membran in den Außenbauteilen Wand, Kniestock, Giebel und Decken sowie im Dachbereich. Diese Membran ist von Außen wind- und wasserdicht, aber von innen her diffusionsoffen. Auf diese Weise erreichen wir hervorragende Werte in der Winddichtheit ohne dass es zu einer Tauwasserbildung in den wärmegedämmten Bauteilen kommen kann. Die Membran können Sie am einfachsten vergleichen mit der Funktion einer Goretex-Jacke. Sie schützt vor Wind und Regen, aber der Träger der Jacke schwitzt nicht.

Für Gebäude mit einer zentralen Lüftungsanlage (bei uns Wärme Gewinn Technik), deren Einbau die Voraussetzung für ein Effizienzhaus ist, muss im Hinblick auf die Luftdichtheit ein Mindestwert von n50 >= 1,5/h lt. EnEV eingehalten werden. Dieser n50-Wert ist unabhängig davon zu realisieren, welche KfW-Effizienzstufe gewünscht wird.
Avatar von M.Hain
11. September 2011, 17:48
Hallo Herr Buehmann,

ich habe fragen was die Wind- und Luftdichtheit durch selbst entwickelte Synergietechnik anbelangt.
Was ist die selbst entwickelte Synergietechnik?
Ist die selbst entwickelte Synergietechnik ein Blower - Door - Test?
Muss bei der Wind- und Luftdichtheitsprüfung des KfW-Effizienzhauses 55 ein bestimmter Wert erreicht werden?
Um eine schnelle Antwort auf meine Fragen würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
M.Hain

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